Abschied in Zeiten von Corona

Heide/ Deutschland – Simones(*) Oma starb in einem Altersheim an den Folgen einer Covid-19 Erkrankung. Verabschieden konnte sie sich nicht mehr. Dies ist ihre Geschichte.

Simone sitzt in ihrer Küche und macht sich einen Kräutertee mit Rum. “Den hat meine Oma immer getrunken”, sagt sie mit einem Lächeln und wird gleich wieder ernst. Simones Oma verstarb im Alter von 82 Jahren an den Folgen einer Covid 19 Erkrankung.

“Sie wollte noch nicht sterben. Sie hätte es verdient zu leben”, sagt Simone und blickt dabei aus dem Fenster. “Ich durfte nicht zu ihr. Das Altersheim hat komplett dichtgemacht. Sie wollten niemanden hereinlassen und sie wollten nicht, dass die Erkrankung publik wird. Daher mache ich heute einen Abend für meine Oma. Ich ziehe Klamotten von ihr an, trinke ihre Getränke und esse das, was sie mochte.”

Simone entzündet eine Kerze für ihre Oma und legt eines ihrer Tücher um. Sie stellt sich aufrecht hin und rezitiert die Ticks ihrer Oma: “Also den Silbereisen sollte man wirklich aus dem Fernsehen verbannen, nicht wahr? “, sagt sie und dreht sich dabei schwungvoll zu einem imaginären Publikum um.

“Das Leben ist kein Traumschiff”, sagt sie und wirft sich das Halstuch dabei theatralisch um ihren Hals. Sie lacht und weint zugleich und nimmt einen großen Schluck von ihrem Tee.

Als Verleugnung, Wut, Verhandlung, Depression und Akzeptanz bezeichnete die schweizerisch-amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross die Phasen, mit denen ein Mensch den Tod eines anderen Menschen verarbeitet. Für Simone war es heute einfach nur Glück und Erinnerung, keine Wut oder Depression, aber auch keine echte Akzeptanz.

“Der Sascha Hehn, das ist mein Typ”, sagt Simone und ist dabei ganz ihre Oma.

“Wer ist Sascha Hehn”, fragt sie. …

 

(*) Name von der Redaktion geändert.

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