Das Jerusalem-Syndrom

Ein britischer Tourist gilt seit November letzten Jahres als vermisst. Er befand sich auf einer Pilgerreise durch Israel, darunter Jerusalem und die Wüste Negev. Er litt vermutlich unter dem Jerusalem-Syndrom.

Der Ire Oliver McAfee, ein bekennender Christ, befand sich auf einer Pilgerreise mit dem Fahrrad durch die Wüste Negev und gilt seit November letzten Jahres als vermisst. Suchtrupps der Polizei, die seiner Spur folgten, fanden herausgerissene Bibelseiten, auf denen McAfee eigene Notizen machte oder Passagen der Bibel neu schrieb. Die Polizei geht davon aus, dass McAfee unter dem Jerusalem-Syndrom litt.

Das Jerusalem-Syndrom ist eine oftmals vorübergehende psychotische Störung, bei der sich Menschen für einen Messias oder einen Propheten auf religiöser Mission halten. Die Betroffenen haben zuvor meist die Stadt Jerusalem besucht, weshalb der israelische Arzt Yair Bar El dieses Phänomen in den 1980er Jahren erstmals als Jerusalem-Syndrom bezeichnete. Davon sind jährlich etwa 100 Besucher der Stadt betroffen.

Zwar gilt die psychotische Störung als ungefährlich, doch können Menschen unter dem Einfluss jener religiösen Wahnvorstellungen zu irrationalen Handlungen neigen, was wohl auch bei Oliver McAfee der Fall war. Die schriftlichen Aufzeichnungen des Iren setzen sich mit der Versuchung Jesu auseinander, bei der Jesus von Nazaret allein in der Wüste fastet und den Versuchungen des Teufels widersteht.

Vielleicht tat es der unter Depressionen leidende Ire Jesus gleich, ohne die Gefahren der Wüste Negev zu beachten.