Die Geister von Srebrenica

Srebrenica/ Bosnien Herzegowina – Mit der Verhaftung des Kriegsverbrechers Radovan Karadzic kamen auch die grausamen Bilder des Massakers von Srebrenica wieder auf, bei dem knapp 8000 Bosnier ermordet wurden. Auch 13 Jahre nach dem Massaker soll in den Wäldern, in denen die Ermordeten in Massengräbern verschart wurden, noch immer eine Totenstille herrschen. Viele Menschen trauen sich bis heute nicht, die Wälder zu betreten und glauben, dass die Geister der Ermordeten dort spuken.

“Kein Vogel singt dort oben in den Wäldern und ich gehe dort auch nicht mehr hin”, sagte Branislav Budic. Nicht nur unter den älteren Serben der Region ist der Glaube an Geister weit verbreitet. Die Seelen der Toten verbleiben zunächst für mindestens ein Jahr bei ihrem Körper, glauben die Menschen aus der Region. Aus diesem Grunde gingen die Serben auch mit ungeheurer Respektlosigkeit mit den Leichen um und verscharten sie zumeist mit großen Landmaschinen.

Überall um Srebrenica findet man noch heute Zeugnisse des Völkermords, Knochen- und Schädelfunde sind an der Tagesordnung. Nur wenige Holzfäller betreten die Wälder.

Wenn man die Einwohner auf die Seelen der Toten anspricht, die sich wohlmöglich noch in der Region aufhalten, so erhält man wenn überhaupt nur sehr kurze und zumeist ängstliche Antworten. “Natürlich sind die Geister ruhelos. Das was damals geschah war nicht richtig”, berichtete Cvetana Ivkaja, eine 68-jährige Serbin.

Das Massaker von Srebrenica war ein Kriegsverbrechen des Bosnienkrieges im Jahre 1995, bei dem etwa 8000 bosnische Muslime ermordet wurden und das von der UN offiziell als Völkermord klassifiziert wurde. Während einer der Hauptverantwortlichen des Massakers, Radovan Karadzic, nun dem UN-Tribunal in Den Haag zugeführt wurde, ist der General, unter dessen Führung das Massaker durchgeführt wurde, Ratko Mladic, noch immer flüchtig.