Exorzisten zu Haftstrafen verurteilt

Cayenne/ Französisch Guayana – Vier Priester der Himmlischen Kirche Christi wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie einen Jungen während eines Exorzismus töteten.

Ein Gericht in Cayenne, Französisch Guayana, verurteilte vier Priester der Himmlischen Kirche Christi zu Haftstrafen von drei bis zwölf Jahren, weil sie im Jahre 2005 durch “absichtliche und vorsätzliche Gewalt den Tod eines Jungen herbeiführten”.

Die Mutter des damals 15-jährigen Roger Bosse brachte ihren offensichtlich psychisch kranken Sohn in eine örtliche Kirche und bat um Hilfe. Die dortigen Priester behaupteten jedoch, dass der Junge nicht krank, sondern vom Teufel besessen sei.

Sie begannen daraufhin mit einem marzialischen, dreitägigen Exorzimus: Sie banden den Jungen an ein aufrecht gestelltes Kreuz, schlugen ihn mit Gürteln und scharfem Schilfgras. Am dritten Tag erstickte der Junge, wie Gerichtsmediziner später feststellten. Die Obduktion ergab ebenfalls, dass der Junge an einer Form von Epilepsie litt. Offensichtlich interpretierten die Geistlichen die epileptischen Anfälle des 15-Jährigen fälschlicherweise als Besessenheit.

Parallelen zum Fall der 1976 verstorbenen Anneliese Michel aus Klingenberg werden deutlich, die ebenfalls an Epilepsie litt und durch den Exorzismus eines katholischen Priesters getötet wurde.

Die Himmlische Kirche Christi wurde 1947 in Benim gegründet und ist vorwiegend im westafrikanischen Bereich vertreten. Ihre Mitgliederzahl wird auf 15 Millionen geschätzt.