“Geisterkrankheit” befällt Nordkoreaner

Seoul/ Südkorea – Immer mehr Nordkoreaner, die in der Umgebung des nuklearen Testgebiets Punggye-ri leben, leiden – wie sie selbst sagen – unter einer “Geisterkrankheit”. Die Frauen gebären deformierte Babys, die Erwachsenen sterben immer früher. Mediziner führen die Berichte Geflüchteter auf die erhöhte radioaktive Strahlung zurück, die vermutlich in und um das Testgelände auftritt.

Lee Jeong Hwa floh 2010 aus Nordkorea. Sie lebte in Kiju, einer Stadt nördlich des Testgebiets. Sie hinkt und berichtet von andauernden Schmerzen. “So viele Menschen starben. Wir nannten es ‘Geisterkrankheit’. Wir dachten immer, wir sterben weil wir arm waren und schlecht aßen. Heute weiß ich, dass es die Strahlung war.”

Rhee Yeong Sil, eine weitere Geflohene, die auch aus der Region Kiju stammt, berichtet von einem Baby, das nach der Geburt deformiert war und getötet wurde: “Das Geschlecht des Kindes konnte nicht festgestellt werden, da es keine Genitalien besaß. In Nordkorea werden deformierte Babys normalerweise getötet, daher wurde es von den Eltern nach der Geburt getötet.”

Der Wissenschaftler Ferenc Dalnoki-Veress vom James Martin Center in Monterey (Kalifornien) widerspricht jedoch den Aussagen der Geflüchteten. “Es ist sehr sehr unwahrscheinlich, dass radioaktive Strahlung um das nukleare Testgebiet Punggye-ri freigesetzt wurde. Dies hätten unsere feinen Sensoren aufgespürt.”

Letztlich bleibt alles jedoch Spekulation, da es keine verlässlichen Daten und Informationen aus dem abgeschotteten Land gibt.