Rollenspielgeficke [Kolumne BORDERLINE]

Therapeuten lieben Rollenspiele; ähnlich wie Kinder. Und doch gibt es Dinge, die sie (beide) nicht sehen und wissen sollten:

Situation: Ein Vertreter klopft an ihrer Haustür.

Aufgabe: Versuchen sie den Vertreter freundlich abzuwimmeln.

Ich öffne die Tür, warte das Lächeln des Vertreters ab, höre seine Worte deutlich, doch sie dringen kaum zu mir durch. Ich blicke auf seinen Hals. Er hat eine sehr ausgeprägte Halsschlagader. Ich lasse ihn nicht ausreden und schlage schräg mit meinem Küchenmesser von oben nach unten auf seinen Hals; d.h. ich schäle seine Halsschlagader längsseits wie eine Kartoffel.

Klasse, ich habe voll getroffen. Das Blut spritzt in einem enormen Bogen über mich rüber. Wahnsinn, wozu das Herz in der Lage ist. Ich denke an das Bild als Nguyen Ngoc Loan, Polizeichef in Saigon, den gefangenen Vietcong Nguyen Van Lem tötet.

Ein Bild drückt Krieg und Schmerz zugleich aus. Meinen Krieg, seinen Schmerz; meinen Schmerz, seinen Krieg.

Wir sind keine Wunderkerzenmenschen, LEA.