Teufelsbibel kommt nach Prag

Prag/ Tschechoslowakei – Der Codex Gigas, ein 800 Jahre alter Text, der auch unter dem Namen Teufelsbibel bekannt ist, wird in den kommenden Wochen in Prag ausgestellt.

Der Codex Gigas ist die umfangreichste mittelalterliche Schrift. Er wurde im 13. Jahrhundert im Benediktinerkloster von Podla¸ice in Böhmen geschrieben und ist auch unter der Bezeichnung Teufelsbibel bekannt, die von einer berühmten Illustration des Teufels in dem Codex herrührt.

Schwedische Truppen raubten das Werk am Ende des Dreißigjährigen Krieges aus dem Prager Schloss und brachten es nach Stockholm. Nach mehrjährigen Verhandlungen war Schweden nun bereit, den Codex Gigas zu Ausstellungszwecken an die Tschechoslowakei auszuleihen.

Das öffentliche Interesse an dem Buch ist sehr groß. “Wir haben mit einem großen Andrang gerechnet, aber derzeit sind wir mehr als ausgebucht”, berichtete Katerina Novakova, eine Sprecherin der Prager Nationalbibliothek

Aus Kapazitätsgründen wurde darum bereits die Besucherzahl auf 60 pro Stunde begrenzt. Das Manuskript befindet sich in einem speziellen, einbruchsicheren Behälter.

Der Legende nach wurde der Kodex von einem Benediktinermönch geschrieben, der gegen die Disziplin im Kloster verstoßen hat. Zur Strafe sollte er lebendig eingemauert werden. Um dieser Strafe zu entgehen versprach er, in nur einer Nacht ein Buch zu schreiben, das das gesamte menschliche Wissen enthalten sollte. Als er schließlich feststellte, dass er es nicht schaffen konnte, bat er den Teufel um Hilfe und verkaufte ihm seine Seele. Der Teufel vervollständigte das Buch und der Mönch fertigte Zeichnungen des Teufels an, um ihm zu danken, wodurch das Manuskript Teufelsbibel genannt wurde. Dennoch wurde das Buch nicht von der Kirche verboten.

Der Codex Gigas enthält die komplette Bibel, Isidor von Sevillas Etymologiae, Flavius Josephus Antiquitates Judaicae, Cosmas von Prags Chronica Boemorum, verschiedene Traktate (bezüglich Geschichte, Etymologie und Physiologie), einen Kalender, eine Liste von Brüdern des Klosters, Wunder und andere lokale Aufzeichnungen. Er ist in Latein verfasst.

“Das Buch wurde tatsächlich von nur einer Person geschrieben, wenn man die Orthographie analysiert. Dennoch würde ich annehmen, dass die Person zwischen 10 bis 12 Jahren für die Fertigung benötigt hat”, berichtete Zdenek Uhlir, ein Experte für mittelalterliche Texte der Prager Nationalbibliothek. Das Buch wiegt 75 Kilogramm und hat 624 Seiten. 16 der ursprünglich 640 Seiten sind jedoch verloren gegangen.

Das Buch ist noch bis zum 6. Januar 2008 in Prag ausgestellt. Es war zuvor in Berlin und New York.