[Untersuchung] Was unterscheidet Menschen, die Geister fühlen, von anderen

Durham/ Großbritannien – In der Wissenschaft gilt das Hören von Stimmen, die nicht von lebenden Menschen ausgesprochen werden, als Halluzination. Dennoch gibt es immer wieder wissenschaftliche Untersuchungen zu religiösen Erfahrungen oder dem Hellhören und Hellsehen, die versuchen, diese Phänomene tiefer zu verstehen. Wissenschaftler der Universität Durham sind nun der Frage nachgegangen, was Menschen, die Geister sehen, fühlen oder hören können, von anderen Menschen unterscheidet.

Die Wissenschaftler um Dr. Adam J. Powell untersuchten dabei das Phänomen der Absorption, also der Fähigkeit des Menschen, für externe und interne Reize wie Filme, Musik und mentale Bilder aufmerksam zu sein und in diese eintauchen zu können. 254 Personen (66 spirituelle Menschen, die über soziale Medien rekrutiert wurden, und 188 nicht-spirituelle Personen, als Kontrollgruppe) nahmen an der Online-Umfrage teil.

Powell fand heraus, dass Menschen, die Stimmen hören, insgesamt einen signifikant höheren Grad der Absorption (nach der Tellegen-Absorptionsskala) aufwiesen, als Personen aus der Kontrollgruppe. Sie waren sehr viel aufmerksamer für innere und äußere Wahrnehmungsprozesse.

Die spirituellen Personen gaben an, Absorption trainieren zu können, beispielsweise durch Meditation. Es käme einem Muskel gleich, der stärker wird, je häufiger man ihn trainiert, je häufiger man diesen Prozessen nachspürt. 44,6 % der Befragten berichteten von täglichen spirituellen Erfahrungen.

Interessant sind insbesondere auch die Details der Untersuchung, wo Stimmen beispielsweise wahrgenommen werden: 65,1 % der Befragten gaben an, dass sie die Stimmen in ihrem Kopf hören würden, während 31,7 % der Befragten die Stimmen außerhalb des Kopfes, in der näheren Umgebung, wahrnahmen.

Was unterscheidet nun jedoch die “gewollte Halluzination”, wenn ein Medium der Wahrnehmung von Geistern nachgeht, von einer Schizophrenie? Die spirituellen Personen berichteten, dass es sich vorwiegend um abschließbare Wahrnehmungsprozesse handelt, d.h. sie hören oder fühlen einen Geist oder Verstorbenen, kommunizieren mit ihm, können ihn zum Teil sogar kontrollieren und vergessen anschließend diese Kommunikation mit fortschreitender Zeit mitunter jedoch wieder, wie bei einem Traum. Die Stimmen sind ferner positiv konnotiert. Bei der Schizophrenie sind die “Stimmen” pathologisch, es kann kaum Kontrolle auf oder über sie ausgeübt werden. Die Stimmen werden von der betroffenen Person als negativ empfunden.

Bemerkenswert ist ferner, dass insbesondere Menschen, die einem individuellen Spiritualismus nachgingen, eine höhere Punktzahl hinsichtlich ihrer Persönlichkeit aufwiesen, als Menschen, die beispielsweise christlich-religiösen Glaubensgemeinschaften angeschlossen waren.