Wachsleichen wollen nicht verwesen – Phänomen nimmt auf deutschen Friedhöfen zu

Das Phänomen der sogenannten Wachsleichen wird auf deutschen Friedhöfen zunehmend zum Problem, wie Experten aktuell gegenüber der Presse mitteilten. Dabei stellt sich die nicht einfach zu beantwortende Frage: Was tun nach Ablauf der Ruhefrist mit Leichen, die einfach nicht verwesen wollen? Sogar eine Fachtagung an der Universität Bonn im traditionellen Totenmonat November befasst sich mit dem Thema: Theologen und Ethikexperten diskutieren dort mit Geologen und Juristen über Wachsleichen. Denn neben der Pietät gegenüber den Verstorbenen sind auch bodenkundliche und juristische Aspekte zu berücksichtigen.

Zu lehmige und feuchte Böden sowie Antibiotika verhindern Verwesung

Wird ein Mensch auf einem deutschen Friedhof bestattet, dann gilt zunächst einmal die Totenruhe. Während dieser Zeit hat der Leichnam in seinem Sarg ausreichend Zeit den Weg allen Fleisches zu gehen und zu Staub zu zerfallen. Übrig bleiben sollen eigentlich nur Knochen und Schädel. Nach 15 bis 35 Jahren endet die Ruhezeit und die Gräber werden neu belegt. Urnengräber stellen bei Neubelegung den Totengräber vor keine Schwierigkeiten. Gruselig und problematisch wird es, wenn aus einer Grabstelle mit Erdbestattung ein gut erhaltener Leichnam zu Tage tritt. Dabei ist das Phänomen eigentlich nicht unheimlich, sondern hat physikalisch-geologische Ursachen: Die Böden sind zu feucht und lehmig und konservieren den Leichnam. Auch zu robuste Särge, synthetische Totenkleidung und Antibiotika können den Verwesungsprozess stoppen. Dabei verwandeln sich die Hautfette der Toten in sogenanntes Leichenwachs (Leichenlipide). So erinnern die nicht verwesten Leichen optisch an eine Wachsfigur.

Einäscherung oder Verlängerung der Ruhefristen als Lösung des Problems

Für die Friedhofsmitarbeiter ist der Anblick der Wachsleichen, deren Gesichtszüge häufig wie im Leben erhalten sind, emotional eine große Belastung. Was aus rechtlicher Sicht mit den unverwesten Toten geschehen soll, ist derzeit noch ungeklärt. Praktiziert wird eine diskrete Einäscherung ebenso wie die Umbettung auf Friedhöfe mit verwesungsfreundlicherem Bodenklima. Experten fordern zudem eine Verlängerung der Ruhefristen auf deutschen Friedhöfen, damit erdbestattete Leichen in Ruhe verwesen können.